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Am Mittwoch geht unser Schiff von Kissamos zur kleinen Insel Kithira und Kreta ist für uns Geschichte. Zeit um ein Resümee zu ziehen.
– Vor Wochen, am Beginn unserer Rundfahrt habe ich geschrieben wie schön die Freiheit und die Leichtigkeit der griechischen Lebensart ist. Das ist es auch was die Griechen so einzigartig können. No problem ist die häufigste Antwort wenn man fragt ob z.B. das Parken oder Übernachten hier am Strand möglich wäre. Dabei ist wildcampen offiziell in Griechenland verboten. Aber das heißt nichts hier. Die Menschen sind das Maß der Dinge und ob etwas geht oder nicht entscheidet kein Papier, in Athen ausgestellt. Das ist lässig und sympathisch. Gleichzeitig aber auch das große Problem des Landes. Was Gesetz ist muss täglich überprüft sein. Dabei kommt wieder oft das “no problem“ zum tragen. Gesetze die Mühe machen oder wenn etwas billiger wird ohne diese zu befolgen werden die Dinge anders geregelt. Das macht der Kleinbauer so und der Konzern . Dass das so ist weiß inzwischen ganz Europa. So läuft es aber nicht ganz so ohne “problems“. Hie und da wäre ein vernünftiges Maß an Regulierung nicht ganz schlecht. Da wäre der Umgang mit Müll. Die Trennung desselben hat sich noch nicht sehr rumgesprochen, obwohl es sie gibt. Auf einer Insel kostet der Abtransport zur Wiederverwertung auch Extrageld und wird wahrscheinlich total unrentabel. Daher wird auch vom Schrottauto das im Olivenhain steht bis zum Treibhaus mit hunderten Quadratmetern zerfetzter Plastikfolie nichts einer Verwertung zugeführt. Das Plastik endet dann irgendwo auf Büschen und Hecken und zuletzt im Meer, das Autowrack wird von der Natur irgendwann überwuchert. Ist schon bei uns so manches Bewusstsein unterentwickelt, fehlt es hier fast vollständig. Was noch weh tut ist der Umgang der Kreter und der übrigen Griechen mit Landschaft. Es wird gebaut, als hätte es keine Krise gegeben. Dabei stehen die unvollendeten hässlichen Rohbauten noch vielerorts herum. So wird das Bild des alten gewachsenen Ortskerns verschandelt. Da zieht der reiche Ausländer und die Hotelgesellschaft mit dem Bürgermeister am selben Strang. Der heurige Winter mit seinen Extremniederschlägen hat die Bausünden an den Tag gebracht, ganze Hänge sind dort wo gegraben wurde abgerutscht. Jedes Hotel braucht auch ein Mehr an Wasser genauso wie die Olivenplantagen die allesamt gewässert werden. Das Grundwasser sinkt dramatisch ab, eine Verkarstung setzt ein durch Überweidung und Wasser das noch vor Kurzem 24 Stunden bis zum Meer brauchte schafft es heute laut Wissenschaft in sechs Stunden. Griechenland ist nicht anders als wir zuhause auch aber der sorglose Umgang mit seinen Schätzen wird hier deutlicher.
– Von Kissamos führt eine Schotterpiste zur Bucht von Balos. Hier begegnen wir wiedereinmal dem Massentourismus. Kolonnen von kleinen Leihautos fahren dort hin um dieses Juwel zu sehen. Es hat sich eine Flachwasserlagune gebildet aus weißem Muschelsand der das Wasser türkiesblau scheinen lässt. Sie wird umlagert von hunderten Sonnenanbetern. Auch wir waten durch das seichte Wasser und schießen unsere Fotos. Zurück auf staubiger Piste freuen wir uns über unseren einsamen Platz, baden uns den Staub vom Körper und genießen die Ruhe. Dabei fällt mir auf dass es diese absolute Stille ist, die uns so fasziniert. Grillen, Ziegengemecker, Vogelzwitschern am Morgen, das Meer plätschert leise. Kein Straßenlärm, kein Rasenmäher und auch keine aufgezwungene Musikkulisse. Hier ist es trotz allem kitschig schön.
– Am Hafen in Kissamos abends vor der Abfahrt treffen wir auf Hannes aus Braunau. Ein alleinreisendes Original. Väterlicherseits Tiroler, worauf er besonders stolz ist. Er war gerade auf der Insel Kithira und hat mehr Infos für uns als ein ganzer Reiseführer. Am anderen Morgen schält er sich aus seinem VW Polo, der auf Reisen auch seine Unterkunft ist und singt uns als erstes aus vollem Hals die Tiroler Landeshymne vor. Von diesem Lied ist er begeistert und hätten wir nicht aufs Schiff gemußt, er hätte noch seine Ziehharmonika ausgepackt und aufgespielt. Er kann nämlich alle 9 Landeshymnen auswendig. Wir sind froh, dass wir dem noch entkommen sind, seine Tipps für die Insel aber haben wir im Gepäck und ich hab für den Rest des Tages einen Ohrwurm im Kopf.

Kithira erreicht man per Schiff vom Peloponnes oder von Kreta. Es gibt noch eine kleine Schwester Antikithira. Wir haben eine Woche bis das Fährschiff wieder vorbeikommt und uns mitnimmt. Ist Kreta in der letzten Woche schon von Touristen überschwemmt worden so ist es dagegen hier wieder herrlich ruhig. Die Saison beginnt erst in 14 Tagen und so sind nur eine handvoll Leute unterwegs. Wir kaufen erst einmal eine Landkarte und einen Reiseführer zum orientieren. Potamos liegt ziemlich zentral und im gut sortierten Supermarkt füllen wir die Vorräte auf. Auch den Bäcker finden wir-mit freundlicher Bedienung. Wir haben nämlich eine Geschichte von Hannes im Ohr: beim Bäcker auf der Insel geht der Brotkauf mit Vertrauen. Man nimmt sich das gewünschte frische Brot und legt das Geld in die Kasse. Einmal soll die Kasse nicht gestimmt haben. Da hat es an den nächsten Tagen kein Brot gegeben. Seit damals stimmt die Kasse wieder auf den Cent genau. Und darüber hinaus hat der Laden ja nun eine Bedienung.
Sonne von früh bis spät treibt die Temperaturen bis auf 35 Grad aufwärts und deshalb suchen wir bald eine Meeresbucht auf. Eine fantastische Kulisse mit hohen Felswänden hinter einem kleinen Kiesstrand bietet Likodimou beach. Uns dämmert langsam dass uns eine Woche hier viel zu kurz werden wird bei dieser Dichte an Naturschönheiten. Also am nächsten Tag ein neuer Sandstrand bei Platia Ammos. Am Abend vor dem Auto mit einem Weinglas in der Hand haben wir den Strand für uns alleine. Zuvor badet noch eine Familie mit drei kleinen Kindern. Das Baby trägt die Mama noch am Arm. Es hat noch keinen Namen. Wie? Gibt’s das? Sie wollen erst schauen was für ein Persönchen es wird mit welchem Charakter und dann den Namen bestimmen und taufen. Das Mädchen haben sie hier am Strand im Meer getauft. Sie haben einen Popen gefunden der das akzeptierte. Alles Wasser der Erde ist heilig, sagt der Vater. Alle standen im Wasser und bei den Orthodoxen Christen wird der Täufling komplett untergetaucht. Wenn es der Priester nur recht fest hält.
Am nächsten Tag die dritte Bucht: Limnionas. Am Weg liegt Kato Xora, ein byzantinisches Festungsdorf in den Bergen und ein Wasserfall mit Gumpe, in der Aphrodite gebadet haben soll. Darin badet auch meine Göttin weil es so idyllisch ist und heiß.
Wir sind mit dem Baloo ja ziemlich autark und so sind wir nicht angewiesen auf das geschlossene Restaurant am Strand. Es gehört Nikos Strategos. Er muß “in the mood“ sein um etwas zu kochen und seine Gäste zu bewirten. Wir gehörten nicht zu den Glücklichen die seine Kochkünste prüfen konnten. Aber dafür zauberte die beste aller Ehefrauen Zatziki, Tomaten- und Kartoffelsalat. Ich hab im letzten Laden nämlich Frankfurter Würstel entdeckt und in den Einkaufskorb geschmuggelt. Dazu gibt’s Brot, korrekt bezahlt.

Die Stille ist vollkommen, das Licht schwindet und Sterne funkeln. Wir sitzen auf der Hochebene von Karfi vor dem Auto, der Retsina ist kalt, Annelies hat ein Gläschen Limoncello in der Hand. Morgen steigen wir zum Gipfel. Etwas unterhalb sind die Mauerreste einer minoischen Stadt. Von dort sieht man beide Küsten: die südliche und die nördliche.
Wir verlassen die Lassithi-Ebene über ein schmales, aber asphaltiertes Strässchen nach Süden. Die Landschaft ist beeindruckend wild und einsam. Durch Katofigi undEmbaros wird es wiedereinmal eng. Winkelige Gässchen, von Mauern gesäumt und oft kaum über zwei Meter breit machen die Durchfahrt zum spannenden Erlebnis mit durchgeschwitzem Tshirt.
Kein Problem, schwimmen wir doch schon bald darauf im Meer beim Traumstrand von Dermatos.
In Gortis, in der Messaraebene hat man die Hauptstadt der römischen Provinz Kreta und Syrenaika in Nordafrika, ausgegraben. Römische Mauern sind hier vergleichsweise jung gegen jene der Minoer die über dreitausend Jahre alt sind. Daher stehen auch noch eine Basilika, ein Odeon und mehrere Tempel. Auch die Platane wird gezeigt, in deren Schatten der Zeus die Europa genommen hat. Es heißt, nicht unbedingt in beidseitigem Einverständnis. Jedenfalls entstand dort der kleine Minos, späterer König von Kreta. Der Herr Papa hat sich danach rasch vertschüßt, immer auf der Suche in neuen Verkleidungen nach neuen Mädchen. Bis heute eifern die Männer diesem Womenizer nach in mehr oder weniger gelungenen Verstellungen. Wilder Stier bleibt allerdings oft nur ein Wunschbild und so wie bei Zeus nicht über längere Zeit durchzuhalten.
Eine Besonderheit Kretas sind seine Hochebenen mitten im Bergland. Meist kreisrund, topfeben und ohne Abfluss. Es wären Bergseen, wenn es nicht Karst wäre durch den das Wasser durch Höhlen abfließt. Wir sind auf der Omalosebene und wäre hier nicht der Einstieg in die Samariaschlucht, es gäbe hierher wahrscheinlich nur Piste. So aber bringen zahlreiche Busse auf Topstrassen täglich hunderte von Touristen hierher, die durch die Schlucht dem Meer zu wandern. Die Nacht auf 1100m ist kühl und die Sterne scheinen zum greifen nahe. Man vergisst als Stadtmensch oft wie zahlreich es sie gibt.
Von hier wandern wir in die Agia Irini-Schlucht ein Stück von oben nach unten. Von Sougia am Meer gehen wir sie dann tags darauf bergauf, sodass wir sie zuletzt zweimal begangen haben.
Sougia ist ein Drehpunkt des Wandertourismus an der Südküste Kretas. Täglich sind hier hunderte Individual-und organisierte Touristen unterwegs. Manche Wegstrecke entlang der Küste wird verkürzt indem man das Linienboot nimmt das zwischen Paleochora und Chora Sfakion verkehrt. Hier begegnen wir noch dem Backpacker mit Zelt und Schlafsack, der so seine Batterien für ein hektisches Stadtleben auflädt. Frei(heits)zeit, die nicht konsumiert wird sondern gestaltet. Yoga am frühen Morgen am Kiesstrand vor dem Schwimmen – Anneliese ist hier nicht die einzige die es praktiziert. Und weil man davon auch hungrig wird mach ich inzwischen Frühstück.
8 Tage bleiben uns noch auf Kreta. Am 12. Juni gehen wir aufs Ferryboat nach Gytheon auf dem Peloponnes. Acht Tage in denen wir uns langsam auf Kissamos, dem Abfahrtshafen zubewegen. Es bleibt noch genug Zeit um weiter den Südwesten der Insel zu durchstreifen und hoffentlich viel Neues zu entdecken.

Wir nehmen den Osten Kretas in Angriff. An der Küste finden wir einsame Strände zum Baden und Übernachten und erkunden die Bergdörfer der Thripitiberge im Hinterland. Agios Ioannis, Kaliviti und Pefki sind nur drei davon. Jedes Dorf ist für sich auf eine ganz bestimmte griechische Art schön. Weiß gekalkt, mit blauen Tür-und Fensterstöcken haben die Häuser Blumen mit bunten Blüten auf den Mauern und den Straßen. Gässchen mit Treppen führen zu neuen Ecken mit Aussichten und irgendwo findet sich das Kafenion mit schattiger Terrasse und wir schlürfen Kaffee oder Orangensaft. Und alles ist in das magische Licht der Ägäis getaucht. Yasmina und Reinhard sind auch wieder zu uns gestoßen und gemeinsam wird gewandert und eingekehrt.
In Zeiten des überall verfügbaren Internets bekommen auch wir eine Nachricht aus der Heimat, die Grund zum Anstoßen, aber auch zum Nachdenken gibt: Der aufgeblasene Parteiführer und Vizekanzler der Republik mußte zurücktreten. Türkis-Blau endet mit einem Paukenschlag. Welche Leute sind da in der Regierung? Brandstifter, Volksverhetzer und Betrüger. Zum Glück beendet ein Video, das korrupte, machtgeile und dabei brunzdumme Volksvertreter zeigt, deren Karrieren. Der Schaden für unsere Demokratie bleibt leider und endlose Streitereien und Machtspiele werden folgen und weiteres Geld der Steuerzahler kosten. Leider kann man nie das ganze Geschwür entfernen. Von irgendeinem Loch aus wird es wieder Fäden spannen.
Samstags wandern wir in die Schlucht beim Moni Kapsa, das idyllisch über dem Eingang zum Gorge liegt. Wir übernachten am unterhalb gelegenen Strand und können durch die spezielle Akustik des Klosters, an der Felswand gelegen, am Morgen die zweistündige gesungene Messe während unseres Frühstücks mithören. Ob wir wollen oder nicht.
In Zakros führt ein Wanderweg durch den Death Canyon hinunter nach Kato Zakros. Es wird unsere 13. Wanderung heuer in Kreta. Hier stand der 4. große Palast der Minoer und der Hafen war einer der wichtigsten auf Kreta in minoischer Zeit. Ihre Toten begruben sie in den Höhlen der Schluchtwände. Daher der Name Tal der Toten. 1450 bC ging auch dieser Palast in Trümmer und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Blüte der Minoer war vorbei. Viele Fragen zu ihrer Geschichte bleiben offen.
Die griechischen Mythologie gibt aber verschlüsselte Auskunft:
Prinzessin Europa kommt aus dem Osten nach Kreta, entführt von Zeus: Einwanderung der Minoer.
die Athener müssen dem Minotauros Menschenopfer bringen: sie unterwerfen sich den minoischen Herrschern von Kreta.
Theseus kann endlich den Minotauros besiegen: die mykenischen Griechen können sich aus der Abhängigkeit lösen.
und dass die Geschichte des König Minos auf Sizilien endet, könnte schließlich auf minoische Flüchtlinge hindeuten, die nach der Eroberung durch die Mykener ins westliche Mittelmeer flüchten.
Zurück in die Gegenwart: die Nachfahren der Minoer und der Griechen haben keine Eroberungen mehr im Sinn, lassen sich vielmehr von den Europäern im Sommer überfluten. Wir bemerken dass der Sommertourismus langsam in Schwung kommt. Zudem sind wir an der Nordostecke bei Sitia angekommen. Die Nordküste hat mehr Hotels und Infrastruktur zu bieten und auch für ein Nachtleben ist gesorgt. Wir haben unseren Übernachtungsplatz an der Kaimauer im Fischerhafen. Es könnte laut werden zur Partytime. Wir lassen uns weiterhin treiben und können jederzeit dem Trubel ins Landesinnere und in die Berge entfliehen.

Der Psiloritis ist nicht ansteckend, ja nicht einmal eine Krankheit, sondern der höchste Berg Kretas. Er leuchtet weiß und schneebedeckt über den Dörfern , die sich ebenfalls in weiß an ihn schmiegen. Grund genug sie abzuklappern. Hier ein Greek-Coffee im Kafenaion, dort ein gepresster Orangensaft mit süßem Gebäck in der Bakery. In Platania wandern wir schluchtaufwärts bis zu einer Höhlenkirche und zurück durch Ziegenland zum Dorf. (Sehr zum Gaudium vom Hund). Vor Zagros ist unser Nachtplatz beim Kloster Vrontissi des Hl. Antonius. Es stammt aus dem Mittelalter und besitzt herrliche kostbare Ikonostasen. Die beiden Platanen die am Eingang Schatten spenden sind wahrscheinlich ebenso alt und riesig.
Jetzt haben wir aber einen Termin. Wir freuen uns auf Christoph. Er ist ein Schweizer Weltenbummler und wohnt ganzjährig in seinem Rolling-sweet-home. Zurzeit hat er sein Domizil in Pitsidia am Komos-beach. Über den Cliffs und dem kilometerlangen Sandstrand sitzt er mit seinem Hund Grameno und erzählt uns seine Geschichten über Erlebtes und seine Sicht auf Land und Leute. Man merkt, er liebt die Menschen und betrachtet sie doch kritisch. Und manche Geschichte wird einfach erzählt aus reiner Fabulierlust. Wir sehen uns immer wieder einmal seit wir ihn 2014 in Armenien das erste Mal getroffen haben. Seine shortstories stehen auch unter http://www.rollingsweethome.blogspot.ch im netz. Zwei Abende und einen langen Strandtag haben wir es gut bei Rotwein, selbstgekochtem Eintopf “greekstile“ und kannenweise Milchkaffee, Christophs Lebenselexier.

Die folgenden Tage bewegen wir uns an der Südküste Kretas weiter Richtung Osten. Wir haben unsere Wahlkarten geordert und die werden an die Adresse des Campingplatzes in Ierapetra gesendet. In einer Woche können wir sie dort in Empfang nehmen und wieder zurücksenden. Wir besuchen das Bergdorf Kapitaniana am Kofinas mit Aussicht auf das Libysche Meer, fahren durch die Berge an den Strand von Tripiti und wandern bei Mirtos in die Sarakina-Schlucht. Einem Tip von Christoph zufolge erklimmen wir über gefühlte 1000 Serpentinen die Strasse nach Kato Simi und weiter auf das Hochplateau des Dikti-Gebirges. In völliger Einsamkeit marschieren wir bis zum Kirchlein am Rand eines Sees und besuchen einen Tempel des Hermes und der Aphrodite, gebaut auf minoischen Fundamenten.
Eine kleine Geschichte über Leon:
Er liebt Schafe und noch mehr Ziegen, besonders wenn sie herdenweise auftreten. Es macht Spass wenn sie vor ihm in wildem Galopp flüchten. Desshalb geht er immer Leine. Neulich war er noch nicht angeleint als das Mutterschaf mit Nachwuchs auftaucht. Leon stürmt los, die Wollknäuel rennen bis die Mutter merkt dass der Hund immer näher kommt. Also stellt sie sich zum Kampf und rennt dem stürmenden Leon den Kopf so in die Seite dass es ihn fast überschlägt. Nach einem weiteren Stoß tritt er mit eingezogenem Schwanz den Rückzug an, völlig aus der Fassung gebracht. Vielleicht eine Lektion.
Leon macht diese Spielchen auch mit Autos, Mopeds und Motorräder. Und da wird’s wirklich gefährlich. Der Christoph hat uns schon geraten etwas zu unternehmen bevor was passiert. Grameno, sein Hund verfolgte immer den Nachbarn auf seinem Traktor und bellte ihn aus. Christoph ist studierter Pädagoge und wußte sich auch keinen Rat mehr. Der Bauer meinte er müsse den Hund “wamsen“. ??? Ein Ausdruck im SchwizerDütsch. Das geht so: der Bauer fährt mit dem Traktor vorbei, der Hund stürmt los doch Christoph ist mit einem Besen auf Posten. Damit wird der Hund gewamst. Beim nächsten mal braucht er nur noch den Besen zu heben und der Grameno legt sich wieder nieder. Das sind nun die erprobten Methoden der schweizer Landbevölkerung. Der hemdsärmelige Bauer hat dem Pädagogen eine Lehrstunde in Hundepsychologie gegeben. Jedenfalls hat Christoph kein Problem mehr mit vorbeifahrendem Verkehr.
Ich hab es nicht geschafft den Leon derart drastisch zu wamsen. Aber vielleicht hat das ja auch das Mutterschaf für mich erledigt. Wenn es nicht half müssen wir uns noch einen “Wamsbesen“ zulegen.
Sollte ein Hundeflüsterer unter den Lesern sein wären wir dankbar um seine Ansichten zum Thema wamsen.

Kreta April 2019

In Griechenland empfängt uns blauer Himmel und ein ebensolches Meer. Unser Plan war es über Patras und den Peloponnes bis Gytheon zu fahren und weiter mit dem Fährschiff nach Kreta. Daraus wird nichts. Leider ist die Fähre nur einmal wöchentlich unterwegs und nächste Woche ausgebucht. Also müssen wir nach Piräus von wo auch Fähren starten.
Ersteinmal treffen wir noch an der Westküste Irene und Jörg aus der Regensburger Gegend. Wir kennen sie von früher als wir in Frankreich unterwegs waren. Ein riesiger Mond leuchtet uns als wir etwas später wie gewohnt in die Federn schlüpfen.
Auf der National Road gehts auf der Nordseite vom Golf nach Itea und Delphi.

Dort prüfen wir ob 42 Jahre nach dem 1. Besuch noch ebensoviel steht. Alles ist erhalten und immer wieder interessant. Nur Besucher gibt es ungeahnt mehr. Und wo wir damals herumkletterten stehen heute don’t dutch- Taferln. Im nahe gelegenen St. Lucas- Monastery steht elfhundertjahre alte Architektur. Hier beginnt eben der Osterputz der Mönche bzw. deren Helfer. Schliesslich ist man Weltkulturerbestätte der UNESCO. Zum Schlafen gehts zum Kloster des Heiligen Nicolaus. Weil das Gatter schon zu ist stellen wir uns auf die Wiese mit grandioser Aussicht. Der Bauer dem sie gehört heißt uns ausdrücklich willkommen . So ist er,der Grieche- und auch desshalb ziehts uns immer wieder hierher.
Tags darauf erreichen wir Piräus und am Abend sind wir nach einer ruhigen Überfahrt in Souda auf der Insel Kreta. Wir sind noch keine 200 m aus dem Hafen, stoppt uns ein Auto

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Heraus springt ein Grieche der meine Hand packt und kräftig schüttelt. Er hat unser Nummernschild gesehen und mußte uns anhalten. Er hat vor ein paar Jahren in Kufstein das griechische Restaurant gemeinsam mit seiner Frau betrieben. Viele Erinnerungen an damals mußte er loswerden. Seine Frau Elena erklärt mir dasselbe am Telefon. Er gibt mir noch seine Telefonnummer für alle Fälle,sollten wir in Not geraten. Weil es schon 23h vorbei ist verrät er uns noch einen ruhigen Schlafplatz im Hafen vor seinem Schiff. Er ist jetzt Kapitän eines Hafenschleppschiffes und bugsiert die großen Kreuzfahrtschiff in und aus dem Hafen. Wäre nicht die Horde Hunde um unseren Platz gewesen, die Nacht hätten wir gut geschlafen. Am Morgen wachen wir auf und stehen überrascht neben einem Kreuzfahrer, 7 Stockwerke hoch und ewig lang. Schon ab 7h morgens beobachten wir hunderte Menschen beim Landgang. Wir haben denselben Weg in die Innenstadt von Chania.Sie mit Bussen, wir mit unserem Baloo.
Dort schlendern wir durch den alten Hafen und schauen uns bei einem frisch gepressten Orangensaft das Treiben der ersten Touristen und der Souvenirhändler an.
Reinhard und Yasmina aus Kufstein treffen wir zum Essen und fahren gemeinsam nach Ag.Onoufrios an einen kleinen Strand zum Übernachten. Bei einer guten Flasche Weißwein werden die Erlebnisse der bisherigen Reise ausgetauscht. Dann trennen sich wieder unsere Wege. Sie sollen aber immer wieder einmal zusammentreffen.

Im Norden Kretas leben 3/4 seiner Bewohner. Hier sind die wenigen größeren Orte und auch die meisten Hotelanlagen. Da zieht es uns eher in den Süden mit seinen Buchten, Stränden, Wanderzielen und einsamen Ecken. Um Chora Sfakion gibt es Canyons zu durchwandern. Die Asfendou-und die Aradenaschlucht sind zwei davon und werden begangen. In der einen gibt es ganze Hänge mit Salbei, die Felswände der anderen werden von schwindelfreien Ziegen beklettert. Ein Steilabbruch mit Leiter zwingt zum umdrehen. Unmöglich den Leon da hinunter zu bringen. Unser Schlafplatz ist daraufhin die hohe Stahlbrücke über die Schlucht. Zwei Brüder aus dem Dorf Aradena kamen in Amerika zu Reichtum und haben die Brücke finanziert. Seither müssen die Bewohner des Dorfes nicht mehr in die Schlucht abzusteigen um zu ihren Häusern zu kommen.
Mit Yasmina und Reinhard legen wir zwei Strandtage bei Frankokastello ein. Die Wassertemperatur taugt schon für Badespass. Einen Tag später trennen sich die Wege in Plakias, nachdem wir gemeinsam die Kotsifu-Schlucht mit ihren zahlreichen Ölmühlen erforschten. Da unser Ziel der Weg ist bewegen wir uns weiter nach Osten. An den Dörfern am Psiloritis, der schneebedeckten höchsten Erhebung Kretas entlang werden wir in ein paar Tagen in Matala, der Hippiehochburg sus vergangenen Tagen, sein . Hier wartet Christoph, ein alter Bekannter Schweizer mit seinem Hund auf uns und Leon.

Frühjahr 2019
Alle reden von Entschleunigung, wir tun es. Tempo 80 nur wenn die Straße maximal eben ist und Rückenwind vorherrscht. Über längere Steigungen sammeln wir hinter uns andere Verkehrsteilnehmer, oft eine ganze Kolonne. Jetzt bin ich einer dererer, welche mich früher bei Eile zur Verzweiflung brachten. Es kommt eben alles auf den Blickwinkel an.
Die intensivste Reise macht man zu Fuß. Rad ist auch gut, Autos sind zu schnell um Details aufzunehmen. Da hörten wir von Reisenden mit alten Traktoren die zum Nordkap oder nach Spanien fahren. Von Stund an faszinierte uns die Idee eines langsamen Gefährts, nur wollten wir eines auch zum drin wohnen. Der Baloo, ein Geländewagen aus 1990 erfüllt weitgehend diesen Anspruch.
Höchstgeschwindigkeit 90 kmh, aber robust und eine Klettergemse in jedem Gelände. Mit ihm würde es möglich sein durch Sand und Matsch jedes entfernte Land zu bereisen.

Wir durchqueren Slowenien, fahren durchs dalmatinische Hinterland. Hier ist es ruhig, ausser in Plitwitzka NP sehen wir keine Touristen. In den Städten sieht man immer noch Spuren des Krieges. In Knien waren vor dem Krieg 78% Serben, 22% Kroaten. Nachdem die serbische Armee Knien eroberte mussten die Kroaten fliehen, wollten sie nicht ermordet werden. Nach der Rückeroberung der Stadt durch die Kroaten flohen die meisten Serben aus der Stadt. Heute leben 72% Kroaten und 28% Serben. Und wir hoffen für sie dass sie Frieden und Versöhnung finden.
Über die Grenze nach Bosnien-Herzegowina merkt man bald dass man in einem der ärmsten Länder Europas ist. Fehlende Industrie und Fremdenverkehr zwingt die Menschen vor allem am Land Selbstversorger zu sein. Ein paar Hühner und Schafe und ein sehr gepflegter Gemüsegarten zeugen vom einfachen Leben. Viele Menschen sind ins Ausland gegangen um zu arbeiten. BIH ist noch ein Entwicklungsland. Umso interessanter für uns es kennenzulernen

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Wir übernachten in Niksic am Parkplatz der Busstation. Das Gebäude ist eine Ruine mit eingeschlagenen Fenstern und zerstörter Inneneinrichtung. Die umliegenden Häuser sind alle zerschossen und unbewohnt. Nur in der Altstadt gibt es ein paar Lolale in denen nur Männer sitzen. Weil Sonntag ist gehen Familien spazieren. Die Frauen tragen sackartige Mäntel und Kopftuch. Die Männer grüßen mich freundlich und staunen über jemanden der mit einem Hund an der Leine geht. Hunde sind hier an der Kette oder halbverhungerte Gerippe oder beides.
Über einen Pass geht es nach Montenegro. Wir fahren zum Kloster Ostrog zum übernachten. Die Kirche klebt hoch über dem Tal an einer überhängenden Felswand. Das Wetter ist regnerisch und Nebel macht uns fast unsichtbar .
Wendet man sich in Podgoriza westlich erreicht man bald den Zufluss des Shkodrasees. Es ist eine märchenhaft schöne Gegend. Der Fluss schlängelt sich breit eingerahmt von Schilfteppichen und Seerosen dem See entgegen. Eine Straße, kaum breiter als unser Auto führt nach Süden hoch am Berg den See entlang. Herrliche Ausblicke ergeben sich.
In einem Dorf machen wir Halt in der Nähe der Schule. Keine Menschenseele ist zu sehen. Das Schulhäuschen hat ein winziges Klassenzimmer mit einem Lehrertisch, 2 Bänken für 4 Schüler, ein niederes Kästchen und einen Kanonenofen mit einem Holzkorb. Ob hier noch Schule gehalten wird? Auf dem Lehrerpult liegen Hefte und das Klassenbuch.
Nach dem Essen machen wir einen Rundgang. Zwischen Trockenmauern führt der Weg durch die ummauerten kleinen Felder zum Dorfrand. Hier weiden ein paar Ziegen zwischen den Felsblöcken am Bergabhang. Wir staunen über uralte Kastanienbäume. Die Stämme haben bis zu 3 Meter Durchmesser. Niemand pflegt sie mehr und so brechen alte Äste und Kronen ab und junges Holz treibt aus den alten Stämmen. Die Ernte von tausenden Kastanien des Vorjahres verfault am Boden. Früher wird sie eine Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier gewesen sein. Selten hat ein Dorf eine so verwunschene Stimmung erzeugt.
Morgen erreichen wir die Grenze Albaniens.

Frühjahr 2019 II
Nach einer Fahrt über 50km Panoramastrasse am Lake Shkodra entlang kommen wir zur albanischen Grenze und nach Shkodra. Die Stadt erstickt förmlich im Autoverkehr. Wir decken uns mit Obst und Gemüse ein und fahren zum Campingplatz LakeShkodraResort. Der Platz liegt am Seeufer, hat 1a Sanitäranlagen, Waschmaschinen und Trockner, was wir alles nutzen. Inzwischen hat es zu schütten begonnen und die wenigen Camper verziehen sich in ihre Autos.
Nach Auskunft am Platz ist die Straße nach Teth in die Berge gesperrt. Hätte bei dem Wetter auch keinen Sinn nachdem lt. Wetterbericht die nächsten Tage stürmisch bleiben. Wir werden eher am Meer bleiben und wahrscheinlich schneller als geplant weiterfahren, hoffentlich einem einigermaßen schönerem Wetter entgegen.

Wir verlassen Shkodra nach Süden, biegen in eine Nebenstrasse nach Lezhe ein die bald nur mehr aus Löchern im Asphalt besteht. Der Himmel klart auf und an der Küste findet sich ein guter Platz am Strand. Wir sitzen in der Sonne, spazieren am Sandstrand entlang. Vom Meer zieht am Abend ein Gewitter über uns, doch da sitzen wir schon längst in unserem Wohnzimmer. Anneliese strickt meine Socken weiter, der Hund liegt unter dem Bett und es wäre rundherum gemütlich müsste ich nicht noch mit Leon Gassi gehen. Ich hoffe noch auf ein Ende des Gewitters vor dem schlafengehen.

Am Morgen ist schönes Wetter. 3 Hunde sind schon zum betteln vor dem Auto. Nachdem unsere und alle anderen Mäuler satt sind starten wir zu unserem nächsten Ziel: Kap Rodon an der Spitze einer weit ins Meer ragenden Halbinsel. Nach dem letzten Dorf kommt eine Privatstrasse die zu einem einsamen Kirchlein führt, das früher ein Kloster war. Es stammt aus dem 13.Jh und steht auf einer Wiese mit Meerblick. Wir wandern zu Fuß weiter bis zu einer Festung aus dem Mittelalter. Heute gehört die ganze Spitze der Halbinsel der Kirche- zum Glück muss ich sagen weil sonst schon alles Baustelle für Hotelneubauten wäre. Alles ist friedlich und wir warten auf Fuchs und Henne zum Gutenachtsagen.

Es folgt ein Tag an dem wir auf Hauptstrassen südlich fahren und er wäre nicht erwähnenswert wäre ich nicht im Hof unseres Restaurants bei einem tiefhängenden Stromkabels eingehakt. Zum Glück ist nicht die Leitung gerissen sondern wurde nur unsere Oberlichte des Bades kaputt. Die habe ich mit Tape professorisch repariert. Das war in Viore an der Küste.
Wir beschliessen trotz Regenwetter in die Berge nach Gjirokaster zu fahren.

nicht Autobahn sondern über die Pässe auf kleinen Nebenstrassen. Als der Asphalt aufhört und der Baloo über Felskanten und Bachsteine holpern muß wissen wir dass die Strasse sehr “neben“ ist. Ca. 50km kurven wir steil bergauf bergab, haben tolle Ausblicke in Täler und Schluchten. Hin und wieder begegnet uns ein Hirte oder ein Einheimischer mit klapprigem Mercedes. Was die aushalten müssen ist enorm. Kein Wunder daß der Albaner auf diese Marke schwört. Albanien, das Land der in Europa ausgemusterten Mercedese. Unser Baloo besteht auch diesen Härtetest. Ich weiß nun dass er kein Öl verbraucht, der Motor nie heiß wird und die Allraduntersetzung so gut wie jede Steigung meistert. Nach gesamt 107km und einer reinen Fahrzeit von 5Std. richten wir unser Nachtlager im Auwald des ungeregelten Vjoses-Flusses ein. Schön, ruhig, einsam, nur leider regnerisch wie an allen letzten Tagen.
Am Morgen Start nach Gjirokaster. Es trägt den Titel einer Weltkulturerbestätte. Daher wird hier auch mit Sorgfalt alte Bausubstanz erhalten und wiederbelebt. Die Straßen des Stadtzentrums sind gerade aufgerissen um sie neu zu pflastern damit man für den Sommertourismus gerüstet ist. Alles überragt eine riesige Festungsanlage, gebaut und immer wieder erweitert von den unterschiedlichsten Besatzern. Die letzten waren die Italiener und die Deutschen. Leider haben die Menschen durch sie leidvolle Erfahrungen erleiden müssen. Jetzt haben die Albaner ihre Zukunft selbst in der Hand. Die anfängliche Euphorie nach dem Ende der Diktatur ist einer Ernüchterung gewichen. Es gibt wenig Arbeit und viele von europäischen Banken finanzierte Projekte blieben stecken. Unzählige Hotel- und Rohbauruinen zeugen davon. Auf der Burg treffen wir Kosovo-Albaner, die in der Schweiz arbeiten. Diese Leute verstehen es hart zu arbeiten. Sie empfahlen ihren Landsleuten aufzuhören mit Jammern und anzupacken. „der Weg nach oben führt unten durch“ meinte der Mann trocken.
Wir trinken Kaffee auf einer kleinen Terrasse und flüchten anschließend im strömenden Regen zum Auto.
Wir fahren noch bis Butrint am Meer, das wir noch vom letzten Besuch kennen, und haben einen Logenplatz mit Meerblick für die Nacht. Morgen werden wir in Griechenland einreisen.
Doch das wird eine andere Geschichte

GlGr. AuGuL